15 Dez

Geht doch.

Geschrieben von Constanze

Ich hab´s getan.

Es wäre leichter gewesen, wenn ich mich vorher hätte betrinken können.

Aber so konnte ich mich vorher nur mit einem Stück Käsekuchen dopen. Und dann die Nummer wählen.

         “Hallo, Mutti, ich bin´s.”

         “Wer?”

         “Constanze. Und ich muss euch was Schönes sagen.”

         “Aber heute ist Mittwoch.”

         “Ja, ich muss euch trotzdem etwas Schönes sagen. Ich bin schwanger.”

         Pause.

         Dann: “Und von wem?”

         Machte meinerseits eine Pause. Überlege Antwortoptionen – vom Postboten, hab seinen Namen vergessen, irgendwas mit A, anonymer Samenspender – entscheide mich aber dann mangels Alkohol für die wahre Variante.  ”Von Anton, natürlich.”

         “Oh Gott. Weiß er es schon?”

         “Ja.” Alle wissen es seit Monaten. Nur ihr nicht. Weiß jetzt auch wieder, warum ich es euch verschweigen wollte. “Wir freuen uns sehr auf das Kind.”

         Ungläubiges Schweigen.

         “Oh, die Milch kocht über!”, rief ich und legte schnell auf.

Muss sagen, dass Käsekuchen, wenn man sehr schnell drei Stücke hintereinander isst, kurzzeitig alkoholähnliche Wirkungen hat.

02 Dez

Geht das????

Geschrieben von Constanze

Gerade wieder kläglich versagt. Ich wollte meiner Mutter mitteilen, dass Anton und ich ein Baby bekommen. Es ist der dritte Anlauf gewesen, und ich war voller Hoffnung, dass ich es dieses Mal schaffen würde. Aber als ich gerade anfangen wollte, sagte sie: “Ich bin immer noch ganz geschockt. Stell dir mal vor, die Anna bekommt ein Kind.”

“Aber das ist doch  - schön?”, sagte ich verunsichert. Anna ist die Tochter einer Freundin meiner Mutter.

“Wie bitte?” Ich konnte förmlich hören, wie meine Mutter mit den Augen rollte. “Schön? In ihrem Alter? Peinlich ist das. Und krank. Nie im Leben geht das gut.”

“Aber …” Anna ist ein Jahr jünger als ich.

“Krank und pervers”, wiederholte meine Mutter. “Frauen, die sich in diesem Alter noch Kinder anschaffen, sollten sich schämen.”

Ich wechselte das Thema und sprach über das Wetter. Kalt auf Pellworm. Und stürmisch.

Ob ich meinen Eltern das Kind wohl einfach verschweigen kann? Sie sind doch so weit weg, sie bekommen es gar nicht mit. Und wenn sie doch mal hier sind, sage ich einfach, es sei das Kind einer Freundin. Geht das?

14 Nov

November-Feuerchen!

Geschrieben von Constanze

Ich liebe den Kachelofen im Anbau, er verbreitet wohlige Wärme, Gemütlichkeit und verbrennt statt Holz auch Schwangerschaftsratgeber. Alle siebzehn Stück. Sehr kuschelig, heute.

Es war eigentlich Trudis Idee, sie stolperte beim Durchblättern (während sie die dritte Zimtschnecke aß) über eine Textstelle, die da hieß: “Machen Sie sich keine Gedanken über die Gewichtszunahme. Das meiste sind ohnehin nur Wassereinlagerungen. Und wenn Sie stillen, verschwinden auch überflüssige Fettpölsterchen innerhalb weniger Wochen” und fing so laut an zu kreischen, dass die Fensterscheiben vibrierten.

“Lass sie uns verbrennen!”, schlug sie vor, als sie wieder Luft bekam. “Damit signalisieren wir dem Universum, dass … äh … dass wir selbstbewusst genug sind, unserer eigenen Wahrnehmung zu trauen.”

Ich fand die Idee gut. Zumal ich zu faul war, neues Holz von draußen zu holen. (Anton ist für eine Woche geschäftlich in London und besucht dort außerdem Exfrau und Tochter.)

“Beginnen Sie jeden Tag mit Wechselduschen und nehmen Sie sich die Zeit, Ihren Bauch anschließend mit einer Zupfmassage zu verwöhnen. Schwangerschaftsstreifen müssen nicht sein. Mit ein wenig Selbstdisziplin halten Sie Ihren Körper in Form.”  BRENNT!                                                       

 ”Denken Sie daran, dass diese Zeit auch für Ihren Partner nicht einfach ist – bürden Sie ihm nicht allzu viele Lasten auf, werdende Väter haben Ihre Rücksichtnahme und Verständnis verdient.” BRENNT!

 Leider ist mir zu spät eingefallen, dass die Bücher gar nicht mir gehören, sondern von Anne und Mimi geliehen sind. Und dass einer davon für den Geburtsvorbereitungskurs sein sollte, der am Freitag beginnt. Und zu dem uns Anton angemeldet hat – ich hätte mir das Drama dieses Mal gern erspart.

Aber es hat auch sein Gutes: Ich werde etwas zum Bloggen haben. Mit mir hat sich nämlich die supi-bekloppte Frau von unserem Zahnarzt angemeldet, Ellen. Sie ist mit dem dritten Kind schwanger und hat mir neulich im Supermarkt die Ohren vollgejammert, dass ihr einfach kein Name einfällt, der sich auf Timmy und Jimmy reimt. Und dass sich ihre Gynäkologin zu 50 Prozent sicher sei, dass es dieses Mal ein Mädchen würde.

13 Nov

Warum Schwangerschaftsratgeber von gemeinen Sadisten geschrieben sein müssen …

Geschrieben von Constanze

… Ihr Teint ist prall, rein und rosig, Ihre Haare glänzen, Ihre ganze Persönlichkeit strahlt so viel Glück und Wärme aus, dass Sie Ihre Umgebung schon allein durch Ihre Anwesenheit in gute Laune versetzen

… Ihre erotische Ausstrahlung war noch nie so groß wie heute

… Sie fühlen sich, als könnten Sie Bäume ausreißen

Ja, klar, und wenn das alles nicht auf Sie zutrifft, dann machen Sie etwas falsch. Überdenken Sie noch einmal Ihre psychische Einstellung zur Schwangerschaft, suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Gynäkologen, Ihrem Ehemann und Ihrer Hebamme. Oder schlagen Sie Ihren Kopf einfach eine Weile gegen die Wand. (Das ist auch gut für den Teint.)

Morgen mehr.

13 Okt

Kleine Blogpause

Geschrieben von Constanze

Obwohl es schrecklich (schrecklich!!!) viel zu erzählen gibt, ist hier erstmal Pause bis Anfang November – ich verspreche dafür überdurchschnittlich viele Vorweihnachtsblogeinträge.

Ganz liebe Grüße von Constanze

P.S. Gestern haben wir zu viert um die süße kleine Henriette herumgesessen und sie hat uns angelächelt und ein bisschen gequietscht, und als sie schließlich so etwas wie  ”öööäääöööh” machte, rief Mimi: “Da! Schon wieder! Sie hat Mama gesagt!” Ich lass das jetzt mal unkommentiert so stehen.

04 Okt

Abschied vom Sommer

Geschrieben von Constanze

Nicht zu fassen – nächste Woche sind schon wieder Herbstferien! In sechs Wochen hat Julius schreiben gelernt. Entweder, die Lehrerin ist eine Koriphäe auf ihrem Gebiet oder das Kind doch hochbegabt. Heute hatten wir eine kleine Auseinandersetzung (ich möchte das nicht näher ausführen, aber es kommen die Worte Ball, Kopf, Frau Hempel und mit voller Absicht darin vor). Als ich ihn vorhin ins Bett brachte, waren wir immer noch ein wenig böse aufeinander, aber weil ich nicht so werden will wie meine Mutter, kam ich ihm ein Stück entgegen und sagte: “Es tut mir Leid, dass ich vorhin nicht so lieb zu dir war”, was er mit einem Zusammenkneifen der Lippen quittierte. Drei Minuten später kam er aus seinem Zimmer und überreichte mir einen Brief mit folgendem Wortlaut:

MIR TUT ES AUCH LEID DAS ICH DICH NICHT LIB HABE!

Fast fehlerfrei, oder? Ich überlege, ob ich ihn doch in diesem Chinesisch-Kurs anmelden soll.

Frau Hempel telefoniert sicher schon den ganzen Abend mit ihrem Anwalt. Ich hoffe sehr, dass der Abdruck auf ihrer Stirn abzuwaschen ist.

28 Sep

Mittagsruhe

Geschrieben von Constanze

Ab und an überkommt mich nach dem Mittagessen schreckliche Müdigkeit, und – hey! – ich bin schwanger, also darf ich mich doch vielleicht mal eine klitzekleine halbe Stunde hinlegen, sollte man denken. Aber nein! Kaum berührt der Kopf das Kissen, klingelt das Telefon. Oder die Kinder kommen angerannt und wollen, dass man einen Streit über die Frage schlichtet, was schlimmer ist: Wunden, die man mit einem stumpfen Messer beigebracht bekommt oder Wunden, die ein scharfes Messer verursacht hat. (Übrigens, falls Sie das auch mal klären müssen: Versuchen Sie zu verhindern, dass die Kinder empirische Beweise vorlegen. Sagen Sie einfach, beides sei gleich schlimm.)

Am Telefon vorhin eine schreiende Frau. “Ihr Sohn hat meinem Anakin die Äpfel weggegessen. Jetzt schon zum dritten Mal!”

Da hofft man immer, das eigene Kind wird von Mobbing verschont, und dann erfährt man, dass er selber mobbt. “Sind Sie sicher?”

Die Mutter von Anakin (ja, der Junge heißt WIRKLICH so) keift: “Natürlich! Anakin lügt nicht. Klären Sie das mit Ihrem Sohn, ansonsten wird es Folgen haben.” (knallt den Hörer auf.)

Ich kläre. Es interessiert mich ja selber brennend, warum Julius dem doppelt so großen und doppelt so starken Anakin die Äpfel wegisst, wo er doch Obst nicht mal besonders gerne mag.

Anschließend rufe ich Anakins Mutter wieder an und kläre sie darüber auf, dass Anakin Julius die Salamibrote weggegessen hat, immerhin im Tausch gegen die Äpfel.

Sie schnauzt: “Das habe ich doch gerade gesagt! Aber das muss aufhören! Anakin braucht auch Vitamine! Erklären Sie das gefälligst Ihrem Sohn.”

Julius hat das sofort verstanden. Ab morgen nimmt er sicherheitshalber sechs Salamibrote mit.

19 Sep

Herbstzeit…

Geschrieben von Constanze

Hier ist der ultimative Beweise dafür, dass ich doch keine Rabenmutter bin. Kastanien sammeln und anschließend damit basteln – sollte zur Nominierung von “Mutter des Jahres” reichen.

16 Sep

Vorstellungsgespräch II

Geschrieben von Constanze

Die zweite Kandidatin schien zunächst perfekt zu sein. Sie hatte bereits Erfahrung im Verkauf, kannte sich mit Schuhen bestens aus, war freundlich, offen, gepflegt und zu flexiblen Arbeitszeiten bereit. Könnte gleich nächsten Montag anfangen. Anne und ich machten uns schon unter dem Tisch geheime Zeichen: Die isses.

Kandidatin 2:                                            Da wäre nur noch eine Kleinigkeit.

Wir (gleichzeitig, etwas atemlos):        Ja?

Kandidatin 2:                                            Ich müsste Jakob mitbringen.

Anne (vorsichtig):                                   Wie alt ist Jakob denn?

Kandidatin 2:                                            Zwei Jahre, vier Monate. Aber sehr weit für sein Alter und absolut pflegeleicht. Man würde ihn gar nicht bemerken. Er liegt meistens unter dem Tisch.

Ann und ich                                             (glotzen doof)

Kandidatin 2:                                           Selbstverständlich ist er absolut stubenrein. Und ruhig. Macht nichts kaputt.

Anne (lacht):                                           Ach so, Jakob ist ein Hund!

Ich (erleichtert):                                    Natürlich! Ein Hund! Also, wenn es kein gefährlicher Hund ist, wenn er nicht bellt und die Kunden beißt – ich habe nichts dagegen.

Anne:                                                        Ich auch nicht, wenn er nicht stinkt und Schuhe zerkaut, natürlich.

Kandidatin 2                                         (erhebt sich wutentbrannt) Das muss ich mir von Ihnen nicht gefallen  lassen! Meinen Sohn stinkt nicht und zerkaut auch keine Schuhe. Und ich dachte, Sie seien so ein kinderfreundlicher Laden. Frechheit.

Anne und ich                                        (glotzen ihr doof hinterher).

Anne (nach einer Weile):                 Ja, sind wir doch auch. Kinder- und hundefreundlich.

 

 

(Und wieso das Geschriebene so krumm und schief aussieht, weiß ich auch nicht.)

 

15 Sep

Vorstellungsgespräch

Geschrieben von Constanze

Bei Pumps und Pomps haben wir eindeutig ein Personalproblem, vor allem, wenn ich demnächst auch noch ausfalle. Trudi meinte zwar, wir könnten das Problem lösen, indem wir die Öffnungszeiten verändern – ihr Vorschlag war unter anderem, montags, mittwochs und freitags ganz zu schließen – aber Anne, Mimi und ich waren uns einig: Wir brauchen dringend Verstärkung. Deshalb fanden gestern schon die ersten Vorstellungsgespräche statt.

 Ich:                     Erzählen Sie doch mal etwas über sich.

Kandidatin 1:     Der Laden ist wirklich cool. Gefällt mir total gut. Wie viel Rabatt bekommt man denn als  Angestellte?

Anne:             Wenn man eine Weile hier arbeitet, bekommt man die Schuhe selbstverständlich zum Einkaufspreis.

Kandidatin 1:     Auch die Santini-Modelle?

Anne:             Auch die. Aber jetzt erzählen Sie doch mal etwas über sich. In Ihrem Lebenslauf steht, dass…

Kandidatin 1:     Und wie lange muss man genau hier arbeiten, bis man die Schuhe zum Einkaufspreis bekommt? 

Ich:              Wir freuen uns, dass Sie unsere Schuhe mögen, das ist auf jeden Fall eine gute Grundvoraussetzung für Ihre Arbeit hier. Aber wir würden gern ein bisschen mehr über Sie erfahren. Vielleicht können wir einfach mal eine typische Verkaufssituation nachspielen. Sie…

Kandidatin 1:     Wie viele Schuhe kann ich denn im Monat zum Einkaufspreis bekommen? Und kriegen meine Freundinnen auch Rabatt?

Anne: (schlägt mit dem Kopf auf die Tischplatte)

 Es wird nicht einfach werden, fürchte ich. Denn Kandidatin 2… – aber davon morgen mehr.

Constanze

P.S. Immer noch keine Übelkeit, danke der Nachfrage. Auch keine merkwürdigen Gelüste auf Waldmeister-Götterspeise.(Davon habe ich während der Schwangerschaft mit Julius so viel gegessen, dass er eigentlich grün zur Welt hätte kommen müssen.) Alles ist gut.