30 Apr

Die Welt, wie sie sein sollte …

Geschrieben von Constanze

Spatz = liebenswerter, kleiner Vogel, der gerne unter unserem Dach nisten darf, da er einer vom Aussterben bedrohten Spezies angehört.

Gärtner = Fachkraft, die ungepflegte Wildnis in Refugium verwandelt, das in “Garten&Wohnen” abgebildet werden könnte. In englischen Spielfilmen in Ausnahmefällen der Mörder.

Die Welt, wie sie tatsächlich ist:

Spatz = ununterbrochen lärmender Vogel, der mit seinem Gebrüll auch durch das geschlossene Fenster Säuglinge aufweckt. Vermutlich genau deshalb vom Aussterben bedroht.

Gärtner = das ist eine längere Geschichte, und für die habe ich gerade keine Zeit, weil der vom Aussterben mehr als jemals zuvor bedrohte Spatz Matti um 5 Uhr geweckt hat und seitdem nicht mehr schlafen lässt. (Anton meint, der Spatz wolle vielleicht auch nur mal herumgetragen werden.)

Liebe Grüße von

Constanze (die auch gerne mal ein bisschen rumgetragen werden würde.)

24 Apr

Frohe Ostern!!!

Geschrieben von Constanze

Dank des fortgeschrittenen Sommerwetters sind die Pflanzen in den Beeten weit üppiger ausgetrieben als sonst an Ostern, außerdem hatte noch niemand Zeit, das üppig wachsende Unkraut zu jäten (nächste Woche kommt aber ein Gärtner!! Meine Schwiegermutter hat ihn engagiert, weil “man sich ja schämen muss, wenn man diese Wildnis anschaut”), was dazu geführt hat, dass drei Eier (Anton hat darauf bestanden, sie vorher durchzuzählen) und ein Nest (das von Nelly, ich verstecke es immer extra knifflig, weil sie schließlich schon fast erwachsen ist, sich aber trotzdem das Suchen nicht nehmen lassen will) im Garten verschollen sind. Anton hat nun eine Belohnung ausgesetzt, weil er meint, spätestens um Pfingsten würde man die Eier (natürlich sind es die grünen, die sich zwischen den Blättern nicht mehr aufspüren lassen) sonst anfangen zu riechen.

Ihnen alle frohe Ostern!

Constanze

P.S. Jetzt ist mir wieder eingefallen, dass ich Nellys Nest in der Papiermülltonne versteckt habe.

15 Feb

Seufz …

Geschrieben von Constanze

… am schlimmsten sind diese Anrufe jeden Tag, dieses spezielle “Uuuuuund?” zehrt an meinen Nerven.

“Die Tragzeit bei Elefanten beträgt 20 bis 22 Monate”, sagte Trudi gestern, was mich wohl trösten sollte, auch wenn ich nicht genau verstanden habe, wie.

Warten wir also weiter.

Constanze, der mürrische Elefant

05 Feb

Noch 13 Tage…

Geschrieben von Constanze

… bis zum errechneten Geburtstermin. Im Augenblick vergeht die Zeit sehr langsam.

“Wie kommt das Baby eigentlich aus dem Bauch raus, Mama?”

“Woher weiß es denn, wann es den Ausgang suchen muss?”

“Muss ich es auch liebhaben, wenn es ein Mädchen wird?”

Fragen über Fragen. Ich habe selber jede Menge davon. Schadet es dem Ungeborenen, wenn man alle Staffeln von LOST hintereinander anschaut?  Ist es möglich, das mit der postnatalen Depression schon vor der Geburt hinter sich zu bringen? Muss man dankbar sein, wenn die Schwangerschaftsstreifen ein hübsches, sternförmiges Muster bilden?

Und kommt man in die Hölle, wenn man sein Kind “Kimberley Charmayne Hyazinthe” nennt? Die Frau von unserem Zahnarzt, Ellen, hat es getan, weil “Y so ein supitoller Buchstabe ist und Kimmi sich auf Timmi und Jimmi reimt”.

Noch dreizehn Tage …

Liebe Grüße von Constanze

15 Dez

Geht doch.

Geschrieben von Constanze

Ich hab´s getan.

Es wäre leichter gewesen, wenn ich mich vorher hätte betrinken können.

Aber so konnte ich mich vorher nur mit einem Stück Käsekuchen dopen. Und dann die Nummer wählen.

         “Hallo, Mutti, ich bin´s.”

         “Wer?”

         “Constanze. Und ich muss euch was Schönes sagen.”

         “Aber heute ist Mittwoch.”

         “Ja, ich muss euch trotzdem etwas Schönes sagen. Ich bin schwanger.”

         Pause.

         Dann: “Und von wem?”

         Machte meinerseits eine Pause. Überlege Antwortoptionen – vom Postboten, hab seinen Namen vergessen, irgendwas mit A, anonymer Samenspender – entscheide mich aber dann mangels Alkohol für die wahre Variante.  ”Von Anton, natürlich.”

         “Oh Gott. Weiß er es schon?”

         “Ja.” Alle wissen es seit Monaten. Nur ihr nicht. Weiß jetzt auch wieder, warum ich es euch verschweigen wollte. “Wir freuen uns sehr auf das Kind.”

         Ungläubiges Schweigen.

         “Oh, die Milch kocht über!”, rief ich und legte schnell auf.

Muss sagen, dass Käsekuchen, wenn man sehr schnell drei Stücke hintereinander isst, kurzzeitig alkoholähnliche Wirkungen hat.

28 Sep

Mittagsruhe

Geschrieben von Constanze

Ab und an überkommt mich nach dem Mittagessen schreckliche Müdigkeit, und – hey! – ich bin schwanger, also darf ich mich doch vielleicht mal eine klitzekleine halbe Stunde hinlegen, sollte man denken. Aber nein! Kaum berührt der Kopf das Kissen, klingelt das Telefon. Oder die Kinder kommen angerannt und wollen, dass man einen Streit über die Frage schlichtet, was schlimmer ist: Wunden, die man mit einem stumpfen Messer beigebracht bekommt oder Wunden, die ein scharfes Messer verursacht hat. (Übrigens, falls Sie das auch mal klären müssen: Versuchen Sie zu verhindern, dass die Kinder empirische Beweise vorlegen. Sagen Sie einfach, beides sei gleich schlimm.)

Am Telefon vorhin eine schreiende Frau. “Ihr Sohn hat meinem Anakin die Äpfel weggegessen. Jetzt schon zum dritten Mal!”

Da hofft man immer, das eigene Kind wird von Mobbing verschont, und dann erfährt man, dass er selber mobbt. “Sind Sie sicher?”

Die Mutter von Anakin (ja, der Junge heißt WIRKLICH so) keift: “Natürlich! Anakin lügt nicht. Klären Sie das mit Ihrem Sohn, ansonsten wird es Folgen haben.” (knallt den Hörer auf.)

Ich kläre. Es interessiert mich ja selber brennend, warum Julius dem doppelt so großen und doppelt so starken Anakin die Äpfel wegisst, wo er doch Obst nicht mal besonders gerne mag.

Anschließend rufe ich Anakins Mutter wieder an und kläre sie darüber auf, dass Anakin Julius die Salamibrote weggegessen hat, immerhin im Tausch gegen die Äpfel.

Sie schnauzt: “Das habe ich doch gerade gesagt! Aber das muss aufhören! Anakin braucht auch Vitamine! Erklären Sie das gefälligst Ihrem Sohn.”

Julius hat das sofort verstanden. Ab morgen nimmt er sicherheitshalber sechs Salamibrote mit.

16 Sep

Vorstellungsgespräch II

Geschrieben von Constanze

Die zweite Kandidatin schien zunächst perfekt zu sein. Sie hatte bereits Erfahrung im Verkauf, kannte sich mit Schuhen bestens aus, war freundlich, offen, gepflegt und zu flexiblen Arbeitszeiten bereit. Könnte gleich nächsten Montag anfangen. Anne und ich machten uns schon unter dem Tisch geheime Zeichen: Die isses.

Kandidatin 2:                                            Da wäre nur noch eine Kleinigkeit.

Wir (gleichzeitig, etwas atemlos):        Ja?

Kandidatin 2:                                            Ich müsste Jakob mitbringen.

Anne (vorsichtig):                                   Wie alt ist Jakob denn?

Kandidatin 2:                                            Zwei Jahre, vier Monate. Aber sehr weit für sein Alter und absolut pflegeleicht. Man würde ihn gar nicht bemerken. Er liegt meistens unter dem Tisch.

Ann und ich                                             (glotzen doof)

Kandidatin 2:                                           Selbstverständlich ist er absolut stubenrein. Und ruhig. Macht nichts kaputt.

Anne (lacht):                                           Ach so, Jakob ist ein Hund!

Ich (erleichtert):                                    Natürlich! Ein Hund! Also, wenn es kein gefährlicher Hund ist, wenn er nicht bellt und die Kunden beißt – ich habe nichts dagegen.

Anne:                                                        Ich auch nicht, wenn er nicht stinkt und Schuhe zerkaut, natürlich.

Kandidatin 2                                         (erhebt sich wutentbrannt) Das muss ich mir von Ihnen nicht gefallen  lassen! Meinen Sohn stinkt nicht und zerkaut auch keine Schuhe. Und ich dachte, Sie seien so ein kinderfreundlicher Laden. Frechheit.

Anne und ich                                        (glotzen ihr doof hinterher).

Anne (nach einer Weile):                 Ja, sind wir doch auch. Kinder- und hundefreundlich.

 

 

(Und wieso das Geschriebene so krumm und schief aussieht, weiß ich auch nicht.)

 

09 Sep

11. SSW

Geschrieben von Constanze

Sie haben es wahrscheinlich längst gemerkt, aber bitte tun Sie wenigstens ein bisschen überraschter als meine Freundin Trudi, die behauptete, sie wüsste es bereits seit Januar. Was ja schon deshalb nicht sein kann, weil ich erst seit Juni schwanger bin.

Eigentlich wollte ich es noch ein paar Monate geheim halten – so  bis Ende Februar am liebsten, aber die Nachricht hatte sich nur Stunden nach dem positiven Schwangerschaftstest in der ganzen Stadt verbreitet. Konnte ja auch niemand damit rechnen, dass Anton ungefähr zehnmal hintereinander “Oh mein Gott! Wir bekommen ein Baby!” schreien würde – das Echo seines Gebrülls wurde von Hauswand zu Hauswand geworfen. Eine halbe Stunde später trudelten schon die ersten Glückwunschanrufe ein.

Die Reaktion unserer Kinder war eher verhalten.

Nelly: “Ich verstehe das nicht -ist das ansteckend?”

Emily: “Aber seid ihr nicht viel zu alt dafür?”

Julius: “Wenn es die Katzen am Schwanz zieht, werde ich es nicht liebhaben!” (Seit seine Halbgeschwister Oskar und Fridolin, genannt die rabiaten Zwillinge, Senta am Schwanz erwischt haben, traut er Babys nicht mehr über den Weg.)

Auch Frau Pilchen reagierte wie erwartet. Sie sagte: “Der arme Mann!”

Da es ja nun ohnehin alle wissen, dachte ich, heute wäre vielleicht ein guter Tag, um es meinen Eltern mitzuteilen. Also rief ich dort an.

“Bauer!”

“Hallo, Mutti, ich bin´s.”

“Wer?”

“Constanze, deine Tochter!”

“Warum sagst du das denn nicht gleich?”

“Da ich deine einzige Tochter bin, müsste eine weibliche Stimme am Telefon, die Mutti zu dir sagt, bei dir automatisch zu dem Rückschluss führen, dass…”

“Heute ist Mittwoch”, unterbrach mich meine Mutter. “Du rufst nie mittwochs an.”

Um die Sache abzukürzen: Ich hab´s irgendwie nicht geschafft, ihr die frohe Botschaft mitzuteilen. Ein anderes Mal. Oder ich lasse es Anton machen.

01 Sep

Apropos Hormone…

Geschrieben von Constanze

Man vergisst mit den Jahren ja so viel.  Zum Beispiel, wie oft so ein Baby die Windeln voll hat. Und dass “Bäuerchen machen” bei manchen Babys nur ein Euphemismus für “über die Schulter kotzen” ist. Henriette ist so ein Baby, genau wie Julius eins war (genau genommen ist er das bis heute geblieben, ähem! Nur, dass er jetzt nicht mehr über die Schulter kotzt, sondern einfach überall hin.). Henriette ist auch eins von den Babys, die nicht viel von Schlaf halten. Ronnie und Mimi sind chronisch übermüdet – aber dabei so glücklich, dass man denkt, sie hätten Drogen genommen. Auch das vergisst man irgendwie…

01 Sep

Erster Schultag

Geschrieben von Constanze

Gestern war Julius erster Schultag. Ehrlich, ich hatte nicht vor, mitten auf dem Schulhof in Tränen auszubrechen – das müssen die Hormone sein.

Als die fremde Mutter neben mir, die mir etwas pikiert ein Taschentuch reichte, wissen wollte, welches Kind zu mir gehörte, zeigte ich auf ein kleines Mädchen mit Zöpfen, um Julius nicht gleich am ersten Tag zu blamieren.