
Sie haben es wahrscheinlich längst gemerkt, aber bitte tun Sie wenigstens ein bisschen überraschter als meine Freundin Trudi, die behauptete, sie wüsste es bereits seit Januar. Was ja schon deshalb nicht sein kann, weil ich erst seit Juni schwanger bin.
Eigentlich wollte ich es noch ein paar Monate geheim halten – so bis Ende Februar am liebsten, aber die Nachricht hatte sich nur Stunden nach dem positiven Schwangerschaftstest in der ganzen Stadt verbreitet. Konnte ja auch niemand damit rechnen, dass Anton ungefähr zehnmal hintereinander “Oh mein Gott! Wir bekommen ein Baby!” schreien würde – das Echo seines Gebrülls wurde von Hauswand zu Hauswand geworfen. Eine halbe Stunde später trudelten schon die ersten Glückwunschanrufe ein.
Die Reaktion unserer Kinder war eher verhalten.
Nelly: “Ich verstehe das nicht -ist das ansteckend?”
Emily: “Aber seid ihr nicht viel zu alt dafür?”
Julius: “Wenn es die Katzen am Schwanz zieht, werde ich es nicht liebhaben!” (Seit seine Halbgeschwister Oskar und Fridolin, genannt die rabiaten Zwillinge, Senta am Schwanz erwischt haben, traut er Babys nicht mehr über den Weg.)
Auch Frau Pilchen reagierte wie erwartet. Sie sagte: “Der arme Mann!”
Da es ja nun ohnehin alle wissen, dachte ich, heute wäre vielleicht ein guter Tag, um es meinen Eltern mitzuteilen. Also rief ich dort an.
“Bauer!”
“Hallo, Mutti, ich bin´s.”
“Wer?”
“Constanze, deine Tochter!”
“Warum sagst du das denn nicht gleich?”
“Da ich deine einzige Tochter bin, müsste eine weibliche Stimme am Telefon, die Mutti zu dir sagt, bei dir automatisch zu dem Rückschluss führen, dass…”
“Heute ist Mittwoch”, unterbrach mich meine Mutter. “Du rufst nie mittwochs an.”
Um die Sache abzukürzen: Ich hab´s irgendwie nicht geschafft, ihr die frohe Botschaft mitzuteilen. Ein anderes Mal. Oder ich lasse es Anton machen.