23 Mai

Hochzeit

Geschrieben von Constanze

Hochzeit war toll! Ich habe fürchterlich geheult. Ich heule immer fürchterlich auf Hochzeiten, ich muss nur die Braut in ihrem Brautkleid sehen, schon verwandele ich mich in einen Zimmerbrunnen. Anton war ein bisschen erschrocken, als ich losflennte, obwohl ich in Erwartung eines Tränenbades wasserfeste Wimperntusche aufgetragen hatte, und später, draußen im Park, wollte er wissen, was los war. War mir ein bisschen peinlich, aber irgendwie habe ich da so einen Kleinmädchentraum, der niemals in Erfüllung gegangen ist. Blumen, weißer Tüll und Seide, an große Leinwände projizierte Kinderfotos, Musik, gasgefüllte Luftballons, Ringe und ein feierliches Gelöbnis, hach!

Meine eigene Hochzeit war… ziemlich scheiße. Kein weißes Kleid, dazu schwanger, nicht mal Luftballons – tja, und der falsche Mann, natürlich. Lorenz hatte für Romantik gar nichts übrig. Bis heute nicht. Ich weiß, dass Paris auch von einer Hochzeit in Weiß träumt, aber bei ihr hat er sich ebenfalls nur zu so einer mickrigen, sachlichen Trauung durchringen können – und wie ich war sie dabei schwanger. Im siebten Monat. Mit Zwillingen. Arme Paris. Sie hätte ein bisschen mehr Glamour verdient.

„Wischnewski ist ein selten blöder Sack“, sagte Anton, übrigens nicht zum ersten Mal. Und dann – so ganz nebenbei – fragte er: „Könntest du dir denn vorstellen, noch mal zu heiraten?“
Ich musste keine Antwort geben, weil Julius in genau diesem Augenblick in den Ententeich fiel. Aber – war das nun ein Heiratsantrag oder nicht? Finde, auch Männer können sich sehr kryptisch ausdrücken.

16 Mai

Mädchen

Geschrieben von admin

Laut Julius kann man Mädchen in drei Gruppen einteilen: Mädchen-Mädchen, normale Mädchen und Jungs-Mädchen. Er musste gar nicht viel erklären, ich wusste sofort, was er damit meinte. So ein kluges, kluges Kerlchen! Machte dann dummerweise den Fehler zu fragen, zu welcher Kategorie ich denn gehören würde. (Obwohl ich es genau weiß: Ich war nie so ein Mädchen-Mädchen!!!) Julius sah mich verdutzt an und sagte dann: „Mama, du bist ein altes Mädchen!“

Ansonsten nichts Neues unter der Sonne (obwohl die ausnahmsweise mal scheint – die Eisheiligen waren in diesem Jahr besonders hartnäckig, vor allem Pankratius), nur dass Nelly und Kevin sich wieder vertragen, dann Schluss gemacht und sich wieder vertragen haben – beim nächsten Schluss machen gibt es kein schulfrei mehr und keinen frisch gepressten Orangensaft.

09 Mai

Muttertag

Geschrieben von admin

Julius sprang um halb sechs mit einem Sträußchen Vergissmeinnicht auf meinen Bauch und sagte, dass ich die beste Mama der Welt sei. Sagte laut „Scheiße!“, weil ich Muttertag wieder mal vergessen hatte und meine Mutter nun mindestens ein halbes Jahr beleidigt sein würde. Aber Anton beruhigte mich mit der sensationellen Mitteilung, er habe sowohl seiner als auch meiner Mutter einen Blumenstrauß schicken lassen. Außerdem seiner Exfrau. Sehr aufmerksam, der Mann. Durfte im Bett bleiben, während er mit den Kindern unten Frühstück machte und fühlte mich richtig gut. Bis ich überlegte, warum alle von ihm Blumen bekamen, nur ich nicht.

Später noch Landtagswahlen. Dabei fiel mir auf, dass ich keine Ahnung habe, wo Anton politisch so steht. Ich würde sagen, konservativ mittig bis ganz leicht links. Aber sicher kann man da nicht sein. Offenbar war er genauso neugierig, denn später fragte er beiläufig, wen ich denn gewählt hätte. Ich sagte ausweichend, ich wählte niemals eine Person, immer nur eine Partei, und zwar die mit meiner Lieblingsfarbe, auf den Wahlplakaten sähen die doch alle zum Weglaufen aus. Anton zog eine Augenbraue hoch, und plötzlich bekam ich Angst, dass wir möglicherweise politisch in ganz verschiedenen Lagern stehen und wechselte schnell das Thema. Muss aber gleich noch klarstellen, dass SCHWARZ keine Farbe ist.

24 Apr

Das Leben ist schön

Geschrieben von Constanze

Emily hatte heute Besuch von einer neuen Freundin. Das Kind sagt, es heißt Matschori. Ich dachte erst, das sei ein Aprilscherz. War es aber nicht. Ich traue mich nicht zu fragen, wie das geschrieben wird.

Trudi ist über die Osterferien mit Francesca nach Italien geflogen und bisher nicht zurückgekommen. Sie schickt mir stündlich eine SMS. Gerade wieder eine. „Sehe ich etwa schwanger aus?“ Ich schreibe sehr diplomatische Antworten. „Wer sagt denn so was???“

Julius findet es den anderen Jahreszeiten über ungerecht, wenn man eine bevorzugt, aber ich mag den Frühling nun mal am liebsten. Der Apfelbaum blüht und Unmengen von Vergissmeinnicht.

Das Leben ist schön. Ich habe aufgehört, die Pille zu nehmen.

15 Mrz

Glitzer, Einhorn und Federn

Geschrieben von Constanze

Die Kindergarten-Mamis haben Zettel wegen der Schultütenbastelnachmittage verteilt: Sie können zwischen einer Pferde-Glitzer-Schultüte (Mädchen), einer Fußball-Schultüte (Jungs) und einer Teddy-Schultüte (geschlechtsneutral) wählen.

Fragte Julius dummerweise im Beisein von Frauke Doppelname-Obermami, was er denn für eine Schultüte wolle. Er überlegte lange und sagte dann, er hätte gern eine mit einem Traktor und einem Einhorn und einem Dinosaurier. Und Federn. Und grünem Glitzer.
Frauke machte ein Gesicht, als habe sie gerade in einen Hundehaufen getreten (obwohl: So guckt sie eigentlich immer) und wiederholte: „Glitzer? Einhorn? Federn? Kann es sein, dass hier noch jemand etwas Geschlechtsorientierung nötig hat?“

Ahne jetzt schon, dass ich besser nicht zu Schultütennachmittag erscheinen, sondern Schultüte im stillen Kämmerlein basteln werde.

Anton denkt immer noch, ich wolle ein Baby von ihm. Ich nehme immer noch die Pille.
Und Mimi ist Gott-sei-Dank immer noch schwanger.

Nelly hat mit Kevin Schluss gemacht oder er mit ihr, so ganz blicke ich da nicht durch. Sie ist abwechselnd wütend und traurig, letzteres überwiegt allerdings. Heute Morgen wollte sie nicht zur Schule. „Mein Herz ist so schwer, dass ich mich nicht mal aufrichten kann“, sagte sie, und da durfte sie liegen bleiben. Ich weiß aus Erfahrung, dass Liebeskummer viel schlimmer ist als eine Grippe. Brachte ihr Orangesaft ans Bett und Stifte und Papier. Finde, sie sollte anfangen, Gedichte zu schreiben.

24 Jan

Fudge

Geschrieben von Constanze

Heute mit Nelly und Julius Fudge gemacht, diese köstliche, weichen, englischen Kara-mellbonbons. Aber von wegen weich und köstlich! Küche ist zu klebriger Hölle mutiert, und außer Nelly, die meint, sie habe schon schlimmeres gegessen, will nun niemand unsere Bonbonberge abtragen. Hatte es bisher immer „Fatsch“ ausgesprochen, aber Trudi behauptet, es würde „Fuds“ heißen, und Julius nennt sie hartnäckig „Fuck-Bonbons“ – ehrlich gesagt kommt das der Sache in unserem Fall am nächsten.

Immer noch Schnee und Eis draußen. Ich glaube, das mit der Klimaerwärmung habe ich missverstanden. Heute noch einen Schwung gefütterte Winterstiefel für Pumps & Pomps geordert. Anton überlegt, einen künstlichen Schlittenhügel im Garten anschütten zu lassen.