Aus der Reihe: Paradiesische Spielplätze für Kinder.
oder: verschollen im Waldorf Astoria. Wie man Eltern in den Wahnsinn treibt aber selber viel Spaß hat.
Liebe Grüße!!!

Ihr Lieben, Matti ist zur Zeit ziemlich anstrengend und möchte nonstop herumgetragen werde, daher schreibe ich einarmig, auf dem dicken Gymnastikball auf und ab wippend und Schlaflieder singend – gut dass mich keiner sehen kann. Bitte nicht wundern, wenn sich hier ab und an Fetzen von “Schlafe mein Prinzchen” in den Text einschleichen.
Neulich (als es so heiß war):
Ich: Waaaaah! Was ist das?
Julius: Meine Füße?
Ich: Ich meinte die Socken! Man trägt keine Socken in Sandalen.
Julius: Ich schon.
Ich: Auf keinen Fall. Ich erlaube dir wirklich viel, aber DAS geht zu weit.
Julius: Warum?
Ich: Weil man keine Socken in Sandalen tragen DARF.
Julius: Sonst?
Ich: Sonst … (überlegt: sieht man aus wie der letzte Depp … wird man von der Modepolizei verhaftet … fallen einem die Zehen ab … hab ich dich nicht mehr lieb … ) … kommt man in die Hölle.
Julius: Wohin?
Ich: Die Hölle ist ein fürchterlicher Ort, an den Menschen kommen, die Socken in Sandalen tragen und Xavier Naidoo hören und “Opium” von Yves Saint Laurent benutzen …
Julius (schultert seinen Schulranzen): Mir egal. Tschüß, Mama, bis heute Mittag.
Na? Bin ich damit endlich für den “Schlechteste-Mutter-der Welt” Award nominiert?
Sich schämende Grüße von
Constanze (die wahrscheinlich zur Strafe n einer Hölle zusammen mit allen Müttern landet, die ihre Kinder Anakin nennen)
P.S. Ach ja, und zu den Urlaubsplänen … es ist die Queen Mary 2. Mit allen vier Kindern, Anton, meinem Exmann, seiner Frau und ihren teuflischen Zwillingen. Ist das nun bekloppt oder ist das bekloppt?
… dass genau in dem Augenblick, in dem ich “Du-hu, Anton?” gesagt hatte, ein Kind (dreimal dürfen Sie raten, welches) an uns vorbeigestürzt kam und mit den Worten “Ich glaube, ich muss mich übergeben” ebendieses tat. Auf Oma Wilmas Perserteppich. (Die sind übrigens erstaunlich robust, diese alten Perserteppiche …) Und so haben wir also anstatt über das Wort mit “h” zu reden, darüber diskutiert, ob EHEC (oder wie Julius und Emily sagen: Ewok) hier bei uns Einzug gehalten hat. (Natürlich NICHT!!! Und machen Sie mir jetzt bloß keine Angst, von wegen, es könnte doch sein!)
Liebe Grüße von
Constanze
P.S. edit: Ein Ewok-Bild, für alle, die ihr Kind nicht Anakin genannt haben.
…weiß ich einfach nicht, was ich sagen soll.
Heute war ich gleich zweimal sprachlos. Zuerst im Drogeriemarkt, als Julius eine Packung Kondome hochhielt und fragte: “Wozu braucht man das?”
Und dann noch mal vorhin, als Anton aus heiterem Himmel sagte: “Es muss ja keine große Hochzeit sein. Wir könnten auch verreisen.”
Zu Punkt eins: Weiß jemand eine souveränere Antwort als “Das benutzt man, um eine Schwangerschaft zu verhindern” – denn das war die denkbar doofste Antwort, die ich geben konnte, zumal sie nur eine Flut neuer Fragen auslöste…
Zu Punkt zwei: Da war ich auch ziemlich unsouverän. Ich habe: “Hä?” gesagt, glaube ich. Möchte jetzt gern in ein Loch kriechen.
Ein schönes Wochenende wünscht
Constanze
… bis zum errechneten Geburtstermin. Im Augenblick vergeht die Zeit sehr langsam.
“Wie kommt das Baby eigentlich aus dem Bauch raus, Mama?”
“Woher weiß es denn, wann es den Ausgang suchen muss?”
“Muss ich es auch liebhaben, wenn es ein Mädchen wird?”
Fragen über Fragen. Ich habe selber jede Menge davon. Schadet es dem Ungeborenen, wenn man alle Staffeln von LOST hintereinander anschaut? Ist es möglich, das mit der postnatalen Depression schon vor der Geburt hinter sich zu bringen? Muss man dankbar sein, wenn die Schwangerschaftsstreifen ein hübsches, sternförmiges Muster bilden?
Und kommt man in die Hölle, wenn man sein Kind “Kimberley Charmayne Hyazinthe” nennt? Die Frau von unserem Zahnarzt, Ellen, hat es getan, weil “Y so ein supitoller Buchstabe ist und Kimmi sich auf Timmi und Jimmi reimt”.
Noch dreizehn Tage …
Liebe Grüße von Constanze

…ist immer attraktiv” – war der heutige Spruch in meinem Kalender. Keine Ahnung, von wem. Wahrscheinlich Steffi Graf oder so. Was mich darin bestätigt, extrem unattraktiv zu sein. Und alt. Jede Winterschlaf haltende Schnecke (oder der faule Kater da oben) ist aktiver als ich. Ich schaffe es ja nicht mal mehr, bis zum Schreibtisch zu robben, geschweige denn einen unterhaltsamen Post zustande zu kriegen. Daher heute als Ersatz der Aufsatz von Julius auf dem letzten Montagsblatt (Thema: was wir am Wochenende erlebt haben):
Ich war met Anton unt Emily unt Jasper im Schawömmbad. Da habe ich mein Käsebrot im Wasa verlorn unt es konte nich schawömmen. Meine Mama war nich met, weilse sich so fett fühlt wegen dem Beebi im Bauch sin auch die Beine wie von ein Elefant
Na fein. Dann wissen es jetzt ja alle.
Melde mich möglicherweise bald wieder. Schwanger sein ist … nicht schön. Ah, und falls Sie in nächster Zeit mal wieder ins Schawömmbad gehen wollen: Das Käsebrot befindet sich irgendwo im Nichtschwimmerbecken.
Mürrische Grüße von Constanze
Ab und an überkommt mich nach dem Mittagessen schreckliche Müdigkeit, und – hey! – ich bin schwanger, also darf ich mich doch vielleicht mal eine klitzekleine halbe Stunde hinlegen, sollte man denken. Aber nein! Kaum berührt der Kopf das Kissen, klingelt das Telefon. Oder die Kinder kommen angerannt und wollen, dass man einen Streit über die Frage schlichtet, was schlimmer ist: Wunden, die man mit einem stumpfen Messer beigebracht bekommt oder Wunden, die ein scharfes Messer verursacht hat. (Übrigens, falls Sie das auch mal klären müssen: Versuchen Sie zu verhindern, dass die Kinder empirische Beweise vorlegen. Sagen Sie einfach, beides sei gleich schlimm.)
Am Telefon vorhin eine schreiende Frau. “Ihr Sohn hat meinem Anakin die Äpfel weggegessen. Jetzt schon zum dritten Mal!”
Da hofft man immer, das eigene Kind wird von Mobbing verschont, und dann erfährt man, dass er selber mobbt. “Sind Sie sicher?”
Die Mutter von Anakin (ja, der Junge heißt WIRKLICH so) keift: “Natürlich! Anakin lügt nicht. Klären Sie das mit Ihrem Sohn, ansonsten wird es Folgen haben.” (knallt den Hörer auf.)
Ich kläre. Es interessiert mich ja selber brennend, warum Julius dem doppelt so großen und doppelt so starken Anakin die Äpfel wegisst, wo er doch Obst nicht mal besonders gerne mag.
Anschließend rufe ich Anakins Mutter wieder an und kläre sie darüber auf, dass Anakin Julius die Salamibrote weggegessen hat, immerhin im Tausch gegen die Äpfel.
Sie schnauzt: “Das habe ich doch gerade gesagt! Aber das muss aufhören! Anakin braucht auch Vitamine! Erklären Sie das gefälligst Ihrem Sohn.”
Julius hat das sofort verstanden. Ab morgen nimmt er sicherheitshalber sechs Salamibrote mit.

Sie haben es wahrscheinlich längst gemerkt, aber bitte tun Sie wenigstens ein bisschen überraschter als meine Freundin Trudi, die behauptete, sie wüsste es bereits seit Januar. Was ja schon deshalb nicht sein kann, weil ich erst seit Juni schwanger bin.
Eigentlich wollte ich es noch ein paar Monate geheim halten – so bis Ende Februar am liebsten, aber die Nachricht hatte sich nur Stunden nach dem positiven Schwangerschaftstest in der ganzen Stadt verbreitet. Konnte ja auch niemand damit rechnen, dass Anton ungefähr zehnmal hintereinander “Oh mein Gott! Wir bekommen ein Baby!” schreien würde – das Echo seines Gebrülls wurde von Hauswand zu Hauswand geworfen. Eine halbe Stunde später trudelten schon die ersten Glückwunschanrufe ein.
Die Reaktion unserer Kinder war eher verhalten.
Nelly: “Ich verstehe das nicht -ist das ansteckend?”
Emily: “Aber seid ihr nicht viel zu alt dafür?”
Julius: “Wenn es die Katzen am Schwanz zieht, werde ich es nicht liebhaben!” (Seit seine Halbgeschwister Oskar und Fridolin, genannt die rabiaten Zwillinge, Senta am Schwanz erwischt haben, traut er Babys nicht mehr über den Weg.)
Auch Frau Pilchen reagierte wie erwartet. Sie sagte: “Der arme Mann!”
Da es ja nun ohnehin alle wissen, dachte ich, heute wäre vielleicht ein guter Tag, um es meinen Eltern mitzuteilen. Also rief ich dort an.
“Bauer!”
“Hallo, Mutti, ich bin´s.”
“Wer?”
“Constanze, deine Tochter!”
“Warum sagst du das denn nicht gleich?”
“Da ich deine einzige Tochter bin, müsste eine weibliche Stimme am Telefon, die Mutti zu dir sagt, bei dir automatisch zu dem Rückschluss führen, dass…”
“Heute ist Mittwoch”, unterbrach mich meine Mutter. “Du rufst nie mittwochs an.”
Um die Sache abzukürzen: Ich hab´s irgendwie nicht geschafft, ihr die frohe Botschaft mitzuteilen. Ein anderes Mal. Oder ich lasse es Anton machen.
Gestern war Julius erster Schultag. Ehrlich, ich hatte nicht vor, mitten auf dem Schulhof in Tränen auszubrechen – das müssen die Hormone sein.
Als die fremde Mutter neben mir, die mir etwas pikiert ein Taschentuch reichte, wissen wollte, welches Kind zu mir gehörte, zeigte ich auf ein kleines Mädchen mit Zöpfen, um Julius nicht gleich am ersten Tag zu blamieren.