28 Sep

Mittagsruhe

Geschrieben von Constanze

Ab und an überkommt mich nach dem Mittagessen schreckliche Müdigkeit, und – hey! – ich bin schwanger, also darf ich mich doch vielleicht mal eine klitzekleine halbe Stunde hinlegen, sollte man denken. Aber nein! Kaum berührt der Kopf das Kissen, klingelt das Telefon. Oder die Kinder kommen angerannt und wollen, dass man einen Streit über die Frage schlichtet, was schlimmer ist: Wunden, die man mit einem stumpfen Messer beigebracht bekommt oder Wunden, die ein scharfes Messer verursacht hat. (Übrigens, falls Sie das auch mal klären müssen: Versuchen Sie zu verhindern, dass die Kinder empirische Beweise vorlegen. Sagen Sie einfach, beides sei gleich schlimm.)

Am Telefon vorhin eine schreiende Frau. “Ihr Sohn hat meinem Anakin die Äpfel weggegessen. Jetzt schon zum dritten Mal!”

Da hofft man immer, das eigene Kind wird von Mobbing verschont, und dann erfährt man, dass er selber mobbt. “Sind Sie sicher?”

Die Mutter von Anakin (ja, der Junge heißt WIRKLICH so) keift: “Natürlich! Anakin lügt nicht. Klären Sie das mit Ihrem Sohn, ansonsten wird es Folgen haben.” (knallt den Hörer auf.)

Ich kläre. Es interessiert mich ja selber brennend, warum Julius dem doppelt so großen und doppelt so starken Anakin die Äpfel wegisst, wo er doch Obst nicht mal besonders gerne mag.

Anschließend rufe ich Anakins Mutter wieder an und kläre sie darüber auf, dass Anakin Julius die Salamibrote weggegessen hat, immerhin im Tausch gegen die Äpfel.

Sie schnauzt: “Das habe ich doch gerade gesagt! Aber das muss aufhören! Anakin braucht auch Vitamine! Erklären Sie das gefälligst Ihrem Sohn.”

Julius hat das sofort verstanden. Ab morgen nimmt er sicherheitshalber sechs Salamibrote mit.

19 Sep

Herbstzeit…

Geschrieben von Constanze

Hier ist der ultimative Beweise dafür, dass ich doch keine Rabenmutter bin. Kastanien sammeln und anschließend damit basteln – sollte zur Nominierung von “Mutter des Jahres” reichen.

16 Sep

Vorstellungsgespräch II

Geschrieben von Constanze

Die zweite Kandidatin schien zunächst perfekt zu sein. Sie hatte bereits Erfahrung im Verkauf, kannte sich mit Schuhen bestens aus, war freundlich, offen, gepflegt und zu flexiblen Arbeitszeiten bereit. Könnte gleich nächsten Montag anfangen. Anne und ich machten uns schon unter dem Tisch geheime Zeichen: Die isses.

Kandidatin 2:                                            Da wäre nur noch eine Kleinigkeit.

Wir (gleichzeitig, etwas atemlos):        Ja?

Kandidatin 2:                                            Ich müsste Jakob mitbringen.

Anne (vorsichtig):                                   Wie alt ist Jakob denn?

Kandidatin 2:                                            Zwei Jahre, vier Monate. Aber sehr weit für sein Alter und absolut pflegeleicht. Man würde ihn gar nicht bemerken. Er liegt meistens unter dem Tisch.

Ann und ich                                             (glotzen doof)

Kandidatin 2:                                           Selbstverständlich ist er absolut stubenrein. Und ruhig. Macht nichts kaputt.

Anne (lacht):                                           Ach so, Jakob ist ein Hund!

Ich (erleichtert):                                    Natürlich! Ein Hund! Also, wenn es kein gefährlicher Hund ist, wenn er nicht bellt und die Kunden beißt – ich habe nichts dagegen.

Anne:                                                        Ich auch nicht, wenn er nicht stinkt und Schuhe zerkaut, natürlich.

Kandidatin 2                                         (erhebt sich wutentbrannt) Das muss ich mir von Ihnen nicht gefallen  lassen! Meinen Sohn stinkt nicht und zerkaut auch keine Schuhe. Und ich dachte, Sie seien so ein kinderfreundlicher Laden. Frechheit.

Anne und ich                                        (glotzen ihr doof hinterher).

Anne (nach einer Weile):                 Ja, sind wir doch auch. Kinder- und hundefreundlich.

 

 

(Und wieso das Geschriebene so krumm und schief aussieht, weiß ich auch nicht.)

 

15 Sep

Vorstellungsgespräch

Geschrieben von Constanze

Bei Pumps und Pomps haben wir eindeutig ein Personalproblem, vor allem, wenn ich demnächst auch noch ausfalle. Trudi meinte zwar, wir könnten das Problem lösen, indem wir die Öffnungszeiten verändern – ihr Vorschlag war unter anderem, montags, mittwochs und freitags ganz zu schließen – aber Anne, Mimi und ich waren uns einig: Wir brauchen dringend Verstärkung. Deshalb fanden gestern schon die ersten Vorstellungsgespräche statt.

 Ich:                     Erzählen Sie doch mal etwas über sich.

Kandidatin 1:     Der Laden ist wirklich cool. Gefällt mir total gut. Wie viel Rabatt bekommt man denn als  Angestellte?

Anne:             Wenn man eine Weile hier arbeitet, bekommt man die Schuhe selbstverständlich zum Einkaufspreis.

Kandidatin 1:     Auch die Santini-Modelle?

Anne:             Auch die. Aber jetzt erzählen Sie doch mal etwas über sich. In Ihrem Lebenslauf steht, dass…

Kandidatin 1:     Und wie lange muss man genau hier arbeiten, bis man die Schuhe zum Einkaufspreis bekommt? 

Ich:              Wir freuen uns, dass Sie unsere Schuhe mögen, das ist auf jeden Fall eine gute Grundvoraussetzung für Ihre Arbeit hier. Aber wir würden gern ein bisschen mehr über Sie erfahren. Vielleicht können wir einfach mal eine typische Verkaufssituation nachspielen. Sie…

Kandidatin 1:     Wie viele Schuhe kann ich denn im Monat zum Einkaufspreis bekommen? Und kriegen meine Freundinnen auch Rabatt?

Anne: (schlägt mit dem Kopf auf die Tischplatte)

 Es wird nicht einfach werden, fürchte ich. Denn Kandidatin 2… – aber davon morgen mehr.

Constanze

P.S. Immer noch keine Übelkeit, danke der Nachfrage. Auch keine merkwürdigen Gelüste auf Waldmeister-Götterspeise.(Davon habe ich während der Schwangerschaft mit Julius so viel gegessen, dass er eigentlich grün zur Welt hätte kommen müssen.) Alles ist gut.

11 Sep

Danke!!!

Geschrieben von Constanze

Hach! *Tränchen aus dem Augenwinkel putz* Es ist schön, dass sich alle so mit uns freuen – ich LIEBE all Ihre Kommentare. Beim Lesen könnte ich  fast vergessen, dass ich nur eine erfundene Figur bin.

Übrigens geht es mir blendend: Anders als damals bei Nelly und Julius kann ich mich nicht mal über ein bisschen Morgen-Übelkeit beschweren (bei Nelly war es mehr Ganztagsübelkeit), wenn überhaupt, dann nur über eine Körbchengröße mehr. Aber wenn ich ehrlich bin, ist das kein Grund zur Klage…

09 Sep

11. SSW

Geschrieben von Constanze

Sie haben es wahrscheinlich längst gemerkt, aber bitte tun Sie wenigstens ein bisschen überraschter als meine Freundin Trudi, die behauptete, sie wüsste es bereits seit Januar. Was ja schon deshalb nicht sein kann, weil ich erst seit Juni schwanger bin.

Eigentlich wollte ich es noch ein paar Monate geheim halten – so  bis Ende Februar am liebsten, aber die Nachricht hatte sich nur Stunden nach dem positiven Schwangerschaftstest in der ganzen Stadt verbreitet. Konnte ja auch niemand damit rechnen, dass Anton ungefähr zehnmal hintereinander “Oh mein Gott! Wir bekommen ein Baby!” schreien würde – das Echo seines Gebrülls wurde von Hauswand zu Hauswand geworfen. Eine halbe Stunde später trudelten schon die ersten Glückwunschanrufe ein.

Die Reaktion unserer Kinder war eher verhalten.

Nelly: “Ich verstehe das nicht -ist das ansteckend?”

Emily: “Aber seid ihr nicht viel zu alt dafür?”

Julius: “Wenn es die Katzen am Schwanz zieht, werde ich es nicht liebhaben!” (Seit seine Halbgeschwister Oskar und Fridolin, genannt die rabiaten Zwillinge, Senta am Schwanz erwischt haben, traut er Babys nicht mehr über den Weg.)

Auch Frau Pilchen reagierte wie erwartet. Sie sagte: “Der arme Mann!”

Da es ja nun ohnehin alle wissen, dachte ich, heute wäre vielleicht ein guter Tag, um es meinen Eltern mitzuteilen. Also rief ich dort an.

“Bauer!”

“Hallo, Mutti, ich bin´s.”

“Wer?”

“Constanze, deine Tochter!”

“Warum sagst du das denn nicht gleich?”

“Da ich deine einzige Tochter bin, müsste eine weibliche Stimme am Telefon, die Mutti zu dir sagt, bei dir automatisch zu dem Rückschluss führen, dass…”

“Heute ist Mittwoch”, unterbrach mich meine Mutter. “Du rufst nie mittwochs an.”

Um die Sache abzukürzen: Ich hab´s irgendwie nicht geschafft, ihr die frohe Botschaft mitzuteilen. Ein anderes Mal. Oder ich lasse es Anton machen.

01 Sep

Apropos Hormone…

Geschrieben von Constanze

Man vergisst mit den Jahren ja so viel.  Zum Beispiel, wie oft so ein Baby die Windeln voll hat. Und dass “Bäuerchen machen” bei manchen Babys nur ein Euphemismus für “über die Schulter kotzen” ist. Henriette ist so ein Baby, genau wie Julius eins war (genau genommen ist er das bis heute geblieben, ähem! Nur, dass er jetzt nicht mehr über die Schulter kotzt, sondern einfach überall hin.). Henriette ist auch eins von den Babys, die nicht viel von Schlaf halten. Ronnie und Mimi sind chronisch übermüdet – aber dabei so glücklich, dass man denkt, sie hätten Drogen genommen. Auch das vergisst man irgendwie…

01 Sep

Erster Schultag

Geschrieben von Constanze

Gestern war Julius erster Schultag. Ehrlich, ich hatte nicht vor, mitten auf dem Schulhof in Tränen auszubrechen – das müssen die Hormone sein.

Als die fremde Mutter neben mir, die mir etwas pikiert ein Taschentuch reichte, wissen wollte, welches Kind zu mir gehörte, zeigte ich auf ein kleines Mädchen mit Zöpfen, um Julius nicht gleich am ersten Tag zu blamieren.