Ab und an überkommt mich nach dem Mittagessen schreckliche Müdigkeit, und – hey! – ich bin schwanger, also darf ich mich doch vielleicht mal eine klitzekleine halbe Stunde hinlegen, sollte man denken. Aber nein! Kaum berührt der Kopf das Kissen, klingelt das Telefon. Oder die Kinder kommen angerannt und wollen, dass man einen Streit über die Frage schlichtet, was schlimmer ist: Wunden, die man mit einem stumpfen Messer beigebracht bekommt oder Wunden, die ein scharfes Messer verursacht hat. (Übrigens, falls Sie das auch mal klären müssen: Versuchen Sie zu verhindern, dass die Kinder empirische Beweise vorlegen. Sagen Sie einfach, beides sei gleich schlimm.)
Am Telefon vorhin eine schreiende Frau. “Ihr Sohn hat meinem Anakin die Äpfel weggegessen. Jetzt schon zum dritten Mal!”
Da hofft man immer, das eigene Kind wird von Mobbing verschont, und dann erfährt man, dass er selber mobbt. “Sind Sie sicher?”
Die Mutter von Anakin (ja, der Junge heißt WIRKLICH so) keift: “Natürlich! Anakin lügt nicht. Klären Sie das mit Ihrem Sohn, ansonsten wird es Folgen haben.” (knallt den Hörer auf.)
Ich kläre. Es interessiert mich ja selber brennend, warum Julius dem doppelt so großen und doppelt so starken Anakin die Äpfel wegisst, wo er doch Obst nicht mal besonders gerne mag.
Anschließend rufe ich Anakins Mutter wieder an und kläre sie darüber auf, dass Anakin Julius die Salamibrote weggegessen hat, immerhin im Tausch gegen die Äpfel.
Sie schnauzt: “Das habe ich doch gerade gesagt! Aber das muss aufhören! Anakin braucht auch Vitamine! Erklären Sie das gefälligst Ihrem Sohn.”
Julius hat das sofort verstanden. Ab morgen nimmt er sicherheitshalber sechs Salamibrote mit.


