
Hochzeit war toll! Ich habe fürchterlich geheult. Ich heule immer fürchterlich auf Hochzeiten, ich muss nur die Braut in ihrem Brautkleid sehen, schon verwandele ich mich in einen Zimmerbrunnen. Anton war ein bisschen erschrocken, als ich losflennte, obwohl ich in Erwartung eines Tränenbades wasserfeste Wimperntusche aufgetragen hatte, und später, draußen im Park, wollte er wissen, was los war. War mir ein bisschen peinlich, aber irgendwie habe ich da so einen Kleinmädchentraum, der niemals in Erfüllung gegangen ist. Blumen, weißer Tüll und Seide, an große Leinwände projizierte Kinderfotos, Musik, gasgefüllte Luftballons, Ringe und ein feierliches Gelöbnis, hach!
Meine eigene Hochzeit war… ziemlich scheiße. Kein weißes Kleid, dazu schwanger, nicht mal Luftballons – tja, und der falsche Mann, natürlich. Lorenz hatte für Romantik gar nichts übrig. Bis heute nicht. Ich weiß, dass Paris auch von einer Hochzeit in Weiß träumt, aber bei ihr hat er sich ebenfalls nur zu so einer mickrigen, sachlichen Trauung durchringen können – und wie ich war sie dabei schwanger. Im siebten Monat. Mit Zwillingen. Arme Paris. Sie hätte ein bisschen mehr Glamour verdient.
„Wischnewski ist ein selten blöder Sack“, sagte Anton, übrigens nicht zum ersten Mal. Und dann – so ganz nebenbei – fragte er: „Könntest du dir denn vorstellen, noch mal zu heiraten?“
Ich musste keine Antwort geben, weil Julius in genau diesem Augenblick in den Ententeich fiel. Aber – war das nun ein Heiratsantrag oder nicht? Finde, auch Männer können sich sehr kryptisch ausdrücken.

